Advent einst und jetzt

Der Bratwürstelsonntag ist keine verkaufsfördernde Erfindung der Fleischindustrie. Räuchern hat nichts mit Praktiken erleuchteter Esoteriker zu tun. Seinen Zukünftigen findet Frau im Traum und nicht im Internet. Und das Christkind gibt es wirklich, wenn man nur daran glaubt.

Gruß vom Christkind
Gruß vom Christkind

Adventtraditionen sind einfach da. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben, gelebt, manchmal auch vergessen. Woher sie kommen und welche Hintergründe ihre Entstehung hatte, wissen viele nicht. Auf der Suche nach den Ursprüngen von Überliefertem, das mich mein Leben lang begleitet.

 

Der Bratwürstelsonntag

 

Erster Adventsonntag ist Bratwürstelsonntag. Zu Mittag gibt es Schweinsbratwürstel mit Sauerkraut. Am Bratwürstelsonntag wäre es ein Frevel, irgendetwas anderes aufzutischen. Ein ebensolcher Frevel wäre es, Schweinsbratwürstel bis zum 24. Dezember zu essen. Die kommen nämlich erst wieder am Heiligen Abend auf den Tisch.

 

Lokalaugenschein am ersten Samstag im Advent in einer beliebigen Fleischhauerei in Oberösterreich. Berge an Bratwürsteln in unterschiedlichen Längen, Dicken und Geschmacksrichtungen türmen sich in der Vitrine. Man könnte echt meinen, die Metzger hätten den Bratwürstelsonntag erfunden, um einmal im Jahr einen regelrechten Würstelabverkauf zu starten.

 

Tatsächlich wurzelt der Bratwürstelsonntag in einer tiefbäuerlichen Tradition. Früher war es üblich, um die Zeit des ersten Advent das Hausschwein (Resi, du arme Sau) zu schlachten. Damit gab es frische Bratwürstel, die am ersten Adventsonntag das Mahl bildeten. Da die Adventzeit damals Fastenzeit war, die am Abend des 24. Dezembers beendet wurde, kamen Bratwürstel erst wieder am Heiligen Abend auf den Tisch. Dass sie nach Wochen des Verzichts ganz besonders gut schmeckten, dürfte nicht verwundern. Warum mir die Bratwürstel am Heiligen Abend am allerbesten vom ganzen Jahr schmecken, wo heutzutage die Adventzeit alles andere als Fastenzeit ist, kann ich nicht erklären.

 

Räuchern in den Rauhnächten

 

Das Räuchern in den Rauhnächten, die seit jeher als besonders mystisch gelten, ist ein uralter Brauch, der gerade richtig trendig wird und mich schon immer in seinen Bann gezogen hat. Welches Wohlbefinden, wenn es im ganzen Haus nach Weihrauch duftet. Das ist Weihnachten für den Geruchssinn sozusagen und ein Hauch von Geheimnisvollem, ja Übersinnlichem in einer Welt, in der sich alles rational erklären lässt und nichts dem Zufall überlassen bleibt.

 

Wenn früher in Haus und Ställen mit der Absicht geräuchert wurde, die bösen Geister der Rauhnächte zu vertreiben und Glück und Gesundheit auf den Hof zu bringen, dann hatte das wohl auch sehr profane Hintergründe. Man bedenke, wie hart das Leben im Winter damals war, wie geschwächt Mensch und Vieh von Kälte und Entbehrungen und wie leicht sich Infektionen ausbreiten und zu einem lebensbedrohlichen Faktor werden konnten. Die zum Räuchern verwendeten Kräuter entfalteten desinfizierende, reinigende und heilende Wirkung und trugen dazu bei, schlechte Gerüche zu eliminieren. Über Generationen praktizierte Rituale gaben Sicherheit, dass auch wirklich alles gut werden würde.

 

Die Thomasnacht

 

Die Thomasnacht am 21. Dezember ist die erste Rauhnacht und zugleich die längste Nacht des Jahres. Viele Bräuche ranken sich um diese Nacht, die die Wintersonnenwende markiert. Ihr wird eine ganz besondere Qualität nachgesagt, um in die Zukunft zu blicken. Kaum im heiratsfähigen Alter, lernte ich von meiner Mutter den Orakelspruch, den alle Mädchen und Frauen auf Partnersuche kennen sollten.

 

Bettstattl, i tritt di

Heiliger Thomas, i bitt di

Loss ma im Traum erscheinen

Den Zukünftigen meinen

 

Den Spruch müsse Frau in der Thomasnacht vor dem Schlafengehen entsprechend inbrünstig aufsagen und zugleich dem Bett einen Fußtritt verpassen. Dann würde einem im Traum der zukünftige Ehemann erscheinen. Ich gebe es zu. Ich hab´s probiert. Ein Jahr ums andere. Und jedes Jahr fest und traumlos durchgeschlafen. Was mir die Geister der Thomasnacht damit sagen wollten, ist nicht überliefert. 😉

 

Welche Traditionen lebst und liebst du im Advent?

 

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